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Parker´s Wine Guide - schlimme Fehler!

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Parker´s Wine Guide - schlimme Fehler!

Mi, 24. Okt. 2007
 
Von Mario Scheuermann

Dieser Mistkerl hat immer Recht, soll Roald Dahl laut Pressetext des Verlages einmal ber Robert M. Parker jr. gesagt haben, um dessen neues, altes Buch es hier gehen wird. Das ist doppelt falsch! Denn erstens ist Parker kein Mistkerl und zweitens hat er eben n i c h t immer Recht.

Dennoch: auf dieses soeben erschienene Buch - und da liegt die Verlagswerbung richtig - hat die Weinwelt natrlich mit Spannung gewartet; denn diese Bewertungen sind egal ob richtig oder falsch natrlich fr viele Weinkufer ein Massstab. Ob es tatschlich immer auch Weinliebhaber und –kenner sind, die diesen Ratschlgen folgen, und nicht nur glubige Jnger eines Gurus, sei dahingestellt.

Man kann einen solchen knapp 2.000 Seiten umfassenden Wlzer nach wenigen Stunden Lektre natrlich nicht abschliessend beurteilen. Die wahre Qualitt des Buches wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen, wenn man kontinuierlich damit arbeitet. Und arbeiten wird man damit mssen; denn ein vergleichbares Kompendium ber die Weine der Welt gibt es nicht. Und schon allein das macht es unentbehrlich.

Denk ich an Deutschland in der Nacht....

Fangen wir mit den schlimmsten Fehlern des Buches an. Die stehen auf den Seiten 1295 bis 1306 und sind berschrieben mit dem Wort „Deutschland“. Angesichts des haarstrubenden Unsinns, der danach folgt, sollten der „Deutsche Weinbauverband“ und das DWI berlegen, ob es nicht an der Zeit ist Parker auf Gegendarstellung und Richtigstellung zu verklagen. Ich bin zwar juristischer Laie, aber ich war mehrfach in meiner beruflichen Laufbahn als Chefredakteur fr Zeitschriften verantwortlich und kann nur sagen, dass dieses Manuskript in erster Linie wegen schwerwiegender presserechtlicher Bedenken meinen Schreibtisch so nicht passiert htte. Da werden reihenweise nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt und mit geschftsschdigenden Wertungen verknpft. Teilweise erfllen sie in meinen Augen den Tatbestand der Verleumdung und Verunglimpfung ganzer Berufsgruppen. Dies sage ich, obwohl ich mit Parker in seiner grundstzlichen Kritik am deutschen Weinrecht und der Art und Weise wie es praktiziert wurde und wird, in vielen Punkten bereinstimme. Nur hier geht er zu weit und ignoriert obendrein die positiven Entwicklungen seit 1990 vollkommen. Fazit: Der Mann weiss offensichtlich berhaupt nicht, wovon er spricht.

Was soll man von einer Bewertungsliste deutscher Gter (von ** fr durchschnittlich bis ***** fr hervorragend) halten, bei der schon die Namen der genannten Betriebe auf groteske Art entstellt sind. So als sei der Autor nichtmal in der Lage gewesen, die Etiketten der verkosteten Weine richtig abzuschreiben. Beispiele? Schloss Johannishoff statt Schloss Johannisberg oder Epenschild statt Espenschied.

Aus welcher Zeit solche Erkenntnisse und Wertungen stammen, kann man daran ablesen wie veraltet die darin enthaltenen Informationen sind. Gunderloch heisst hier noch Gunderloch-Usinger, ein Doppelname, der 1986 letztmalig auf einem Label auftauchte. Schloss Groenestyn ist noch mit zwei Sternen aufgelistet, obwohl es bereits Mitte der 90er Jahre seine Produktion eingestellt hat ebenso wie Siegfried Gerhard. Auch sonst geht’s Kraut und Rben durcheinander - Knig Victoriaberg gehrt bei Parker zu Deinhard. Das Weingut des VDP-Prsidenten Salm taucht gleich zweimal auf, einmal richtig als Prinz zu Salm und einmal ganz bescheiden brgerlich als Salm. Man knnte diese Liste beliebig verlngern.

Was die Bewertungen betrifft, kann man sich darber natrlich endlos streiten. Sicher ist aber: die Relationen stimmen so nun wirklich nicht. Die Winzergenossenschaft „Vier Jahreszeiten“ in Bad Drkheim ist sicher unter den Genossenschaften eine der besseren, aber dass sie hher eingestuft ist (nmlich als gut) als die Hessischen Staatsweingter, Schloss Vollrads und von Buhl, denen Parker nur eine durchschnittliche Qualitt bescheinigt, ist einfach lcherlich und rgerlich. Genauso die drei Sterne fr den Rheingauer Fassweinwinzer Gebrder Grimm, den er auf die gleiche Stufe stellt wie Dr. Heger, Wittmann und Dr. Pauly-Bergweiler.

Als Referenz zur Darstellung des „allgemeinen Qualittsniveau“ in Deutschland zieht Parker den problematischen Jahrgang 1987 heran. Wie lange dieses Buch nicht mehr grndlich berarbeitet wurde, kann man auch an anderer Stelle sehen, nmlich dort, wo Parker die wichtigsten deutschen Rebsorten beschreibt. Mller-Thurgau, so seine Erkenntnis, sei nach wie vor die wichtigste Sorte. 25 % der Flche seien mit ihr bestockt. Das war einmal vor langer Zeit. Heute ist der Riesling die Nummer eins mit 20,8 % und MT die Nummer zwei mit 19,8 % gefolgt von Sptburgunder mit 9,5 % und nicht vom Silvaner wie Parker behauptet. Wie soll man jemand bei seinen Wertungen Glauben schenken, der schon solche einfachen Details derart schlampig recherchiert?

Hier noch drei weitere Kostproben zum Amsieren und Argern:

Parker ber den Sptburgunder: „Die deutsche Pinot Noir Traube bringt leider oft einen grotesken ziemlich scheusslichen Wein hervor, der ungefhr so schmeckt wie ein misslungener, ssser, mder und verdnnter roter Burgunder von einem inkompetenten Winzer.“

Parkers Urteil ber trockene deutsche Weine: „Trockene Weine tendieren dazu, langweilig und dnn zu sein. Sie haben wenig Krper und Duft- und Geschmacksnoten. Halbtrockene Weine schmecken ebenfalls trocken, drfen aber etwas mehr Restzucker aufweisen und sind ein klein wenig interessanter. Ich empfehle beide nur selten: Es sind kommerzielle Erzeugnisse, die von der wachsenden Vorliebe fr “trockene Weine profitieren“

Parker ber deutsche Sekte: „Man produziert in Deutschland auch Schaumweine, die als Deutscher Sekt bezeichnet werden, doch sie sollten berzeugten Masochisten vorbehalten bleiben, weil sie ziemlich schauderhafte Machwerke aus bermssig geschwefelten Weinen sind.“

Gegen den letzten Satz sollten eigentlich die Erzeuger von handgerttelten und flaschengereiften Winzersekten vor einem amerikanischen Gericht eine Sammelklage wegen Verleumdung anstrengen. Sie htten gute Aussichten zu gewinnen und den Herrn Verbraucheranwalt um ein paar Millionen Schadensersatz zu erleichtern.

Das ganze ist natrlich deshalb besonders peinlich, weil Parker und Rovani erst vor wenigen Monaten in ihrem Weinbrief „The Wine Advocate“ die deutschen Rieslinge des Jahrgangs 2001 ber den grnen Klee gelobt haben und dies mit keinem einzigen Wort Erwhnung findet. Die Meldung „100 Parker Punkte fr deutschen Riesling Eiswein“ ging durch alle Gazetten und erreichte ein ganz breites Publikum. Ende 2002 wre es sicher technisch noch mglich gewesen, solche Änderungen nachzuschieben oder dieses berholte Kapitel vllig zu entfernen.

Tu felix Austria

Ganz anders im Nachbarland sterreich. Und damit kommen wir zu den besseren Seiten dieses Buches. Die 24 klassifizierten Erzeuger sind alle richtig geschrieben und an der Auswahl ist auch nichts zu meckern: Hirtzberger, Knoll, Kracher, F.X. Pichler und Prager als die 5 – Sterne-Spitze. Dahinter: Brndlmayer, Feiler-Artinger, Hiedler, Hirsch, Nikolaihof, Nigl, R. Pichler, Gebrder Polz, Heidi Schrck, Tement, Alzinger, Dinstlgut, FWW, Gross, Jamek, Loimer, Salomon-Undhof, E. Triebaumer, Wieninger. Die ausfhrlichen Bewertungen des Jahrgangs 1999 wurden schon an anderer Stelle viel diskutiert. Aber die Spitzennoten von 90 bis 95 + fr die besten Smaragde aus der Wachau gehen durchaus in Ordnung genauso wie die Noten bis 98 Punkte fr die Kracher Kollektionen von 1997 und 1998.

Was fr ein Fortschritt! In der letzten Ausgabe dieses Buches bestand sterreich noch ausschliesslich aus einem Kapitel ber den Ssswein-Spezialisten Alois Kracher. Im brigen ist das Einleitungskapitel zu sterreich voll des hchsten Lobes und frei von jeglicher Polemik. Zitat: “Die besten sterreichischen Rieslinge machen einen sprachlos, wie das kein anderer irgendwo in der Welt erzeugter trockener Wein schafft.“ Ein bisschen bertrieben fr meinen Geschmack, aber tendenziell natrlich richtig. Auch wenn ich oftmals im direkten Vergleich die Grnen Veltliner vorziehe.

Bordeaux, Bordeaux ber alles

Die erste Hlfte des Buches ist in aller Ausfhrlichkeit Frankreich gewidmet: Elsass, Bordeaux, Burgund und Beaujolais, Champagne, die Loire, Languedoc-Rousillon, die Provence, die Rhne, Bergerac und der Sdwesten. Stellvertretend mchte ich das Bordelais herausgreifen. Auf 305 Seiten beschreibt Parker die Weine dieser Region, ausfhrlich, nachvollziehbar, kompetent. Da kennt er sich aus, da ist er zuhause. Man merkt es. Hier bewegt sich das Buch auf einem Niveau, das man von einem der fhrenden Weinkritiker der Welt erwarten darf. Denn dies ist und bleibt Parker bei aller Kritik, die ich eingangs an ihm gebt habe.

Ich habe mehrmals zusammen mit Parker an Weinproben teilgenommen. Ich weiss also aus eigener Erfahrung, dass er einer der ganz grossen und disziplinierten Verkoster ist. Sein Problem heisst Rovani. Und der ist gottseidank nicht fr Bordeaux zustndig. Wohl aber fr Deutschland und Italien, auf das wir spter noch zu sprechen kommen werden.

Im Bordeaux-Kapitel sind die Jahrgnge der 90er Jahre von 1995 bis zum Milenniumjahrgang 2000 fortgeschrieben worden. Erstmals sind so die die Aufsteiger und Eintagsfliegen, die Miniselektionen und Boutiqueweine, die Ende des 90er Jahre vor allem auf dem rechten Ufer und in den Randappellationen wie Pilze aus dem Boden schossen, erstmals mit ihren Anfngen halbwegs komplett dokumentiert: Branda, Branon, Cambon La Pelouse, Cap de Faugees, Clos Badon, Clos Dubreuil, Croix de Labrie, Gracia, Magrez-Fombrauge, La Fleur Morange, La Fleur Mongiron, La Gomerie, Les Grands Marchaux, Griffe de Cap d´Or, Haut Condissas Prestige, L`Hermitage Lezongars, Marjosse, Marojallia, Marsau, La Mondotte, Pas de L`Ane , Pby-Faugres, Quinault L`Enclos, Roc de Cambes, Rol Valentin etc. Manche davon sind heute fast schon wieder vergessen, andere auf dem besten Wege Klassiker zu werden.

Wahrscheinlich ist fr viele allein schon dies den Kauf wert. Andererseits kann man dann auch gleich warten bis Parkers nchstes Bordeaux-Buch erscheint. Darin bekommt man es dann noch aktueller und ausfhrlicher.

Gegenber der letzten Ausgabe hat Parker brigens Clinet, Lagrange und La Fleur de Gay aus der Spitzengruppe seiner Fnf-Sterne-Gter abgestuft und dafr sechs neue aufgewertet und zwar Pby-Faugres, Pavie, Pavie-Macquin, Pape Clement, Monbousquet und Magrez Fombrauges. Noch einmal wiederholt er im Vorwort sein nachhaltiges Pldoyer fr den Jahrgang 2000, den er fr „den besten jemals erzielten Bordeaux“ hlt. Bordeaux, das ist fr ihn “der Inbegriff fr qualitativ hochwertige Wein, die lange gelagert werden knnen.“ Da kann man ihm kaum widersprechen.

Ein Freund, ein guter Freund

In seinem allgemeinen Vorwort schreibt Parker ber die Rolle des Weinkritikers: “Ich kaufe mir ber 75 % der Weine, die ich verkoste, selbst. Noch nie habe ich um Proben gebeten, halte es jedoch nicht fr unmoralisch, Proben anzunehmen, die man mir unaufgefordert ins Bro schickt.“ Ein heikler Satz. Mal ganz abgesehen davon, dass er natrlich fr kein einziges Fassmuster z.B. bei den Primeur-Kampagnen in Bordeaux oder sonst auf einer seiner zahlreichen Reisen auch nur einen Cent bezahlen muss. Die bekommt er wie alle anderen Weinkritiker auch gratis. Die meisten alten Jahrgangsraritten hat er selbstverstndlich – wie alle anderen Autoren – als Gast von Erzeugern oder auf Rarittenproben meist von privaten Sammlern oder von Hndlern organisiert verkostet. Auch werden diese Proben ihm nicht so ganz zufllig und beilufig geschickt. Das mag frher mal so gewesen sein. Sie werden nach mir vorliegenden Informationen ganz normal und durchaus korrekt von seinem Bro bei den Importeuren angefordert. Soweit, so gut.

Einige Stze weiter heisst es ber sein Verhltnis zum Handel „Um seiner Unabhngigkeit nicht verlustig zu gehen, ist es zwingend notwendig, eine gewisse Distanz zum Handel zu wahren.“ Nun ist es ein offenes Geheimnis, dass Parker mit einigen amerikanischen Hndlern und Importeuren gut befreundet ist, woran ich im brigen nichts Anstssiges finden kann. Auch ich zhle einige Hndler, die ich sehr lange kenne, zu meinen persnlichen Freunden und mchte diese nicht missen. Und mit befreundeten Erzeugern streite ich viel kritischer und leidenschaftlicher ber die Qualitt ihrer Weine als mit solchen, die mir persnlich nichts bedeuten.

Liest man ein Kapitel wie Australien unter dieser Prmisse, findet man allerdings Indizien dafr, dass es der Herr Anwalt mit seiner Distanz zum Handel gelegentlich nicht so genau nimmt. Einige der am hchsten bepunkteten Weine entziehen sich ganz einfach dadurch der Kontrolle der internationalen Weinkritik, dass zunchst mal nur Parker diese Wunderweine vor der Verffentlichung zu probieren bekommt wie den Three Rivers von Chris Ringland, den Roennefeldt Road von Greenock Creek oder den Duck Muck von Wild Duck Creek. Zufllig bekommen diese Weine meist 100 oder wenigstens (verschmte) 99 Punkte. Zufllig stammen diese dann immer aus dem Portfolio des gleichen Hndler-Klngels. Zufllig haben diese zwar weltweit den Exklusiv-Vertrieb, aber die Weine werden gegen die Spielregeln fast ausschliesslich in den USA zu sndhaft teueren Preisen (300 Dollar fr den Three Rivers) ber Mailinglisten direkt an Endverbraucher vertrieben. Mag sein, dass der Herr Anwalt von all dem nichts weiss. Allein dies zu glauben fllt mir schwer.

Parker beschrnkt sich im brigen bei Australien fast vollstndig auf Rotweine, was ich schade finde. Nicht mal den Yatarna Chardonnay von Penfolds erwhnt er und die besten australischen Rieslinge (Grosset) tauchen nur als Randnotiz auf. Focus seines Australienbildes sind die Sorten Shiraz und Cabernet Sauvignon. Ich habe ca. 80 Prozent der von ihm beschriebenen Weine ebenfalls verkostet und stimme in der berwiegenden Mehrzahl der Flle in etwa berein, oft um ein, zwei Punkte niedriger. Aber es ist eine parallel in etwa gleiche Wertung. Wenn man dieses Kapitel gelesen hat, ist man fr diesen Sektor der Weinwelt tatschlich bestens informiert und man wird kaum noch neues entdecken knnen.

Parkers Spitzennoten fr australische Sssweine darf man dagegen nicht allzu ernst nehmen, wenn man eine an deutschen und sterreichischen TBAs, Eisweinen, ungarischen Tokajern, Ruster Ausbrchen mitteleuropisch geschulte Zunge hat.

Italia assurda oder der Mut zur Lcke.

Die 235 Seiten ber die Weine Italiens gehren fr mich zu den absurden Kapiteln dieses Buches. Sie waren bislang die Spielwiese des Parker-Adlatus Pierre-Antoine Rovani. In Zukunft werden sie wohl von Daniel Thomases begutachtet, der das Parker Team seit kurzem verstrkt. Thomases, der von 1990 bis 1997 fr den Wine Spectator ais Italien berichtete, lebt seit vielen Jahren in dem Land und kennt sich dort aus. Lcken wie sie das jetzige Buch aufweist, wird es dann vielleicht zuknftig nicht mehr geben.

Sicher, es ist schwierig die italienische Vielfalt einigermassen flchendeckend zu verkosten. In Piemont hat man den Eindruck, dass Rovani selbst in die letzte Milchkanne im Dorf noch hineingesehen hat, um herauszufinden ob dort nicht noch ein trinkbarer Barolo oder Barbaresco eingelagert sein knnte. Andere Regionen weisen dagegen gravierende Lcken auf. Man gewinnt schnell den Eindruck, er kenne jedes noch so kleine Mikorcuve z.B. vom Voos dai Ciamps (600 Kisten) oder Refosco und Pignolo von Moschioni (200 Kisten).

Avignonesi wird zwar mit seinem Vino Nobile unter den ausgezeichneten 4-Sterne-Betrieben aufgelistet, die Weine selbst kommen aber nicht vor weder der Desiderio, der zu den besten Rotweine in diesem Teil Italiens gehrt, noch der Occhio de Pernice, der (nicht nur ) fr mich zu den weltweiten Top Ten der Sssweine gerechnet wird und jeden 100-PP-Ssswein aus Australien um Lngen schlgt.

Es sind beileibe nicht irgendwelche Weine, die da „vergessen“ wurden. Gewichtige und grosse Weine sind es, die man vergeblich sucht wie den vorzglichen San Leonardo aus dem Trentino, Masis Amarone Campolongo di Torbe oder Serego Aligheris Vajo Amaron - beides Klassiker des Veneto. La Poderina aus Montalcino? Fehlanzeige. Weder die Brunello Riserva noch der ssse Muskateller, den viele Kenner fr den besten Wein seiner Art in Italien halten. Dafr beschreibt und vor allem lobt das Buch so ziemlich jedes Konzentrat, bei dessen Produktion der umstrittene Starnologe Riccardo Cotarella seine Finger im Spiel hatte.

Auch sind die Relationen der Bewertungen etwas aus den Fugen geraten. Eines von vielen mglichen Beispielen: Mit 86 Punkten werden der schlicht gestrickte Lacryma Christi del Vesuvio von de Angelis und der Valpolicella von Zenato genauso hoch bewertet wie beispielsweise der Rosso del Conte und der Cabernet Sauvignon von Tasca d´Almerita oder ein Barbaresco Gaiun von Marchesi di Gresy Man muss diese Weine einfach mal nebeneinander stellen und verkosten, dann wird man schnell feststellen, dass dies so nicht stimmen kann.

Kalifornien - after the goldrush

Das Kalifornien Kapitel demonstriert wie schnelllebig inzwischen auch die Weinwelt geworden ist. Es ist ein Blick zurck wie in eine andere Welt. Beschrieben werden in aller Ausfhrlichkeit die Jahrgnge zwischen 1997 und 1999. Jene Jahre also, in denen die dot.com-hype ihren Hhepunkt erreichte und Silicon Valley jeden Morgen 64 neue Millionre ausspuckte. Die halbe Ernte eines Boutiqueweins fr die nchste Party aufzukaufen, gehrte zum guten Ton. Europische Importeure bekamen dagegen gekrzte Zuteilungen per Fax und keine persnlichen Termine mehr. Heute, nach dem Zusammenbruch dieser ersten Generation der new economy und nach dem 11. September, ist das alles Schnee von gestern. So liest sich dieses Kapitel wie ein Mrchen aus vergangener Zeit: „Robby im Weinwunderland“.

Ein bisschen Statistik zwischen durch: Parker bewertet 1.706 Weine von 193 kalifornischen Erzeugern. Davon bekommen 1060 Weine von ihm 90 und mehr Punkte. Das sind ca. 62 Prozent. 34 Weine bekommen sogar einen Platz im Weinolymp zugewiesen mit 98 – 100 Punkten.

Der Vergleich zu Bordeaux, wo es um die Jahrgnge 1995 bis 2000 geht unter denen sich nach Parkers eigenem Urteil ein echter Jahrhundertjahrgang befindet („2000 - Der beste Bordeaux aller Zeiten), ist entlarvend: 1.396 Weine von 360 Erzeugern befand der Meister wert in seinen Guide aufgenommen zu werden. 393 Weine (ca. 28 %) waren ihm 90 und mehr Punkte wert und in 14 Fllen zog er die Karte 98 bis 100.

Kann das sein? Produziert die Bordelaiser Winzerelite selbst in Spitzenjahren aus Parkers Sicht weniger hervorragende Weine als ihre kalifornischen Kollegen? Dabei sagt er doch selbst, Bordeaux sei fr ihn das Mass aller Dinge, wenn es um hochwertige Weine geht (siehe oben). Liest der Mann seine eigenen Notizen nicht? Statistisch ausgewertet scheint er sie jedenfalls nicht zu haben

Im brigen stellt sich natrlich die Frage: Wenn interessiert das alles, was er in Kalifornien an berdrehten Wunderweinen gefunden hat? All diese Majas, Screaming Eagles, Araujos, Kistlers, Turleys, Harlans etc. Die meisten sind in Europa nicht erhltlich. Die Parker Bewertungen kaum nachprfbar. Es war in den vergangenen Jahren nicht mglich in Europa ein wirklich nachhaltiges Interesse an diesen Weinen zu wecken und einen Markt dafr zu etablieren. Gelegentlich wurden sie wie Fabelwesen auf Rarittenproben vorgefhrt, gewogen und im Vergleich zu anderen Kultweinen aus Frankreich, Australien oder Spanien von wenigen Ausnahmen abgesehen als zu leicht befunden. Einige namhafte Importeure wie Martin Kssler haben sich angesichts der horrende Preise weitgehend aus diesem Geschft zurckgezogen. Inzwischen haben einige der Boutiqueerzeuger ihre Preise drastisch gesenkt, und eine erfolgsverwhnte Premium-Kellerei wie Mondavi schreibt rote Zahlen. Es ist nicht der erste und sicher auch nicht der letzte goldrush, der in Kalifornien seine Spuren hinterlsst.


Parker´s Wein Guide
8000 Weine aus den wichtigsten Weinregionen der Welt
getestet und bewertet. Ratschlge fr den Weineinkauf.
Autor: Robert M. Parker jr. in Zusammenarbeit mit Pierre-Antoine Rovani
Collection Rolf Heyne, Mnchen, ISBN 3-89910-201-0
Preis: 85 Euro (D), 87,40 Euro (A), 136 sFr (CH)

Quelle: www.best-of-wine.com
 

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